Zum Weihnachtsmarkt nach Mainz

Samstag, 12. Dezember 2015. Mit den Schienenbussen geht es heute nach Mainz zum dortigen Weihnachtsmarkt. Wirkliche Weihnachtsstimmung mag nicht recht aufkommen, denn die Tagestemperaturen von über 10°C und dazu starke Bewölkung lassen eher auf einen Novembertag schließen. Der Kaffee ist gekocht, die Brötchen sind geschmiert und die restlichen Getränke sind auch an Bord. Auf Glühwein kann man angesichts des Wetters gut verzichten.

Von Gießen aus wird zunächst die Main-Weser-Bahn bis Friedberg (Hessen) befahren, um dort wieder „Kopf“ zu machen, oder anders ausgedrückt, die Fahrtrichtung zu ändern. Denn wir wollen von Friedberg nicht einfach weiter Richtung Süden fahren, sondern unseren Fahrgästen eine außergewöhnliche Fahrt bieten. Also knattert der Motorwagen 798 829-8 mit seinem Steuerwagen 796 677-9 wieder Richtung Norden. Nächster Zwischenhalt ist Butzbach, der von einigen Fahrgästen gern für eine Raucherpause genutzt wird. Ohne weiteren Halt fahren wir weiter Richtung Gießen, um in Gießen-Bergwald die ansonsten nur von Güterzügen genutzte Umfahrung Richtung Wetzlar zu bereisen. Dieser Streckenabschnitt verläuft einige hundert Meter parallel mit der Strecke Richtung Dillenburg und gewinnt dabei allmählich an Höhe, um eine kreuzungsfreie Überführung mit ebendieser Strecke zu ermöglichen. Bald darauf erreichen wir Wetzlar, wo noch einige Passagiere zusteigen. Die Ausfahrt steht bereits und schon setzt die zweiteiliege Garnitur ihre Reise entlang des malerischen Lahntals fort. Leider hat der Wettergott mit uns kein Einsehen und bleibt neblig-trüb. In den warmen Fahrzeugen ist die Stimmung jedoch gut. Hinter Weilburg werden einige Tunnel passiert, die eindrucksvoll demonstrieren, wie mühsam der Bau dieser Strecke doch war. Bald erreichen wir Limburg und setzen von dort aus unsere Fahrt entlang der 1877 eröffneten Main-Lahn-Bahn über Bad Camberg und Hofheim (Ts.) Richtung Frankfurt (Main)-Höchst fort. Dort erstrahlt unübersehbar der Chemiepark in hellem, teils buntem Lichterglanz und wirkt in der Dämmerung zusammen mit einigen hellen Abdampfwolken der Anlagen fast ein bisschen weihnachtlich.

Es ist bereits dunkel, als wir ohne Aufenthalt die Stationen Frankfurt (Main) Höchst, Niederrad und Station passieren, es folgen Raunheim und Rüsselsheim. Von dort aus geht es über die Umgehungsbahn nach Kostheim und wenige Minuten später überqueren wir auf der Kaiserbrücke den Rhein. Es dauert nun nur noch einen Augenblick und das Ziel Mainz Hbf ist erreicht.

Vor dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs erstrahlen bereits die ersten Weihnachtsstände mit allerlei Gebäck, heißen Getränken und Weihnachtsschmuck. Nun geht es zu Fuß weiter entlang der Bahnhofstraße und Großer Langgasse in Richtung Altstadt, wo der eigentliche Weihnachtsmarkt stattfindet. Man kann die Richtung eigentlich nicht verfehlen, wenn man einfach den vielen Menschen folgt, die denselben Weg eingeschlagen haben. In Höhe des Doms ist dann fast kein Durchkommen mehr. Dicht gedrängt versucht man, einen Blick auf einen der schier endlosen Weihnachtsstände zu erhaschen. Trotzdem ergibt sich recht schnell die Möglichkeit, das Angebot der Händler im Detail zu inspizieren. Pfefferkuchen, Kaffee, Schnitzereien, Metallskulpturen, Mützen und Hüte, heiße Würstchen, Kinderspielzeug und weitere Süßigkeiten reihen sich nahtlos aneinander. Überall glitzert und duftet es, und über die Köpfe der Besucher ist ein sternförmiges Lichternetz gespannt.

Schon bald naht die Abfahrzeit und wir müssen den Rückweg zum Hauptbahnhof antreten. Da kommen auch schon unsere beiden Fahrzeuge angerollt. Nach Fertigmeldung schaltet das Ausfahrsignal auf grün und es ertönt der Abfahrtspfiff. Einige am Bahnhof wartende Reisende haben einen solchen Zug offenbar noch nie gesehen, denn sie scheinen vom Anblick und Motorengeräusch des Schienenbusses ganz fasziniert zu sein. Auf direktem Weg geht es nun noch einmal vorbei am Industriepark Höchst über Frankfurt (Main) West und Friedberg (Hessen) zurück nach Gießen. Ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende. Manchmal ist eben der Weg das Ziel.

 

Frank Trumpold